In der dritten Folge unserer kleinen Serie über die doch noch sehr junge Rivalität der Rheinmetropolen haben wir festgestellt, dass olle Konrad Adenauer mit seinem schlitzohrigen und winkelzügigen Versuch, Köln zur Landeshauptstadt des Rheinlands zu machen, die bis dahin eher unbedeutende Konkurrenz angeheizt hat. Erst ab dem Beginn der Industrialisierung und den zugehörigen Gründerjahren begann der Prozess, der Düsseldorf in Sachen Wirtschaft und Industrie auf Augenhöhe zur Domstadt brachte. Aber bis nach dem Ende des zweiten Weltkriegs sahen die Bewohner des jeweiligen Ortes den anderen durchaus nicht als Konkurrent oder gar Feind. Jetzt aber waren die Kölner neidisch auf Düsseldorf, dem die britischen Besatzer die Rolle der Landeshauptstadt zugedacht hatten. Vielleicht befassten sich erst ab jenem Zeitpunkt einige Kölner überhaupt erst mit dem Dorf im Norden – und stellten fest: da isset schöner als bei uns. Denn während Köln über die Jahrhunderte immer im Wesentlichen ein Handelsstandort war, bei dem sich kulturelle Leistungen eigentlich nur in den katholischen Kirchen abspielten, blühten schon ab dem 16. Jahrhundert die schönen Künste in der Hauptstadt des Herzogtums Berg.

Und weil es in Düsseldorf eine weltberühmte Kunstakademie gab und eine lebendige Musik- und Literaturszene, und es schon ab den ersten Nachkriegsjahren in der Stadt an Kreativität und Sinn fürs Schöne nicht mangelte, wurde diese Stadt rasch zum Zentrum der Mode und der gerade aufkommenden Werbebranche in Deutschland. Ende der Fünfzigerjahre gab ein weitgereister Lufthansa-Pilot zur Protokoll: „Die schönsten Frauen der Welt gibt es in Rio, aber auf Platz liegt dann schon Düsseldorf.“ Und das nicht, weil hier schönere Menschen geboren wurden, sondern weil die Schönen gern nach Düsseldorf kamen und blieben. Nach Köln gingen Kölner und Leute, die aus beruflichen Gründen nach Köln ziehen mussten. Der Lokalpatriotismus der Kölner in jenen Jahren war durchaus dumpf und saß vor allem in den eher hässlichen Vierteln am Rand der Innenstadt.

Uns die Landeshauptstadt, denen der WDR
Adenauer und der kölsche Klüngel konnten die Tatsache, dass Köln nicht Hauptstadt geworden war, bis ans Ende der Fünfzigerjahre nicht wirklich ertragen. Da kam ihm die Tatsache, dass eine der bedeutendsten regionalen Rundfunksender von Köln aus verwaltet wurde, gerade recht. Die Betreibergesellschaft WERAG, die 1924 entstanden war und sowohl Programm erzeugte als auch Sender betrieb, war vom NS-Regime verstaatlicht und zum „Reichssender Köln“ gemacht worden. Die Briten hatten, beraten von den BBC-Funktionären, den NWDR (Nordwestdeutschen Rundfunk) als staatliche Sendeanstalt öffentlichen Rechts – eben nach dem Vorbild der BBC. Diese Anstalt versorgte nun die gesamte britische Zone und hatte ihren Hauptsitz in Hamburg. Die WERAG-Gebäude waren im Krieg völlig zerstört worden, aber schon 1948 begann mit dem Bau des legendären Funkhauses am Wallrafplatz.

Wieder auf Betreiben Adenauers, dem damaligen Bundeskanzler, wurde 1955 das Rundfunkwesen der Bundesrepublik neu gegliedert; so wurde der NWDR in den NDR (Hamburg) und den WDR (Köln) zerlegt. Während der Rundfunkrat der Nordlichter stark von Sozialdemokraten durchsetzt war, konnte Adenauer dank eines fast vollständig mit CDU-Leute und Vertreter der katholischen Kirche durchsetzen Rundfunkrats das Treiben des WDR prima bestimmen. Und weil er auch an das Fernsehen glaubte, sorgte er dafür, dass die Bilder, die der WDR ins Land schickte, immer wieder Köln zeigten. Dass dann ausgerechnet das eher grobschlächtige Millowitsch-Theater diesen WDR für sich nutzen konnte, war ebenfalls ein Ergebnis der kölschen Klüngelei.

Die Kölner Pfeffersäcke auf ihrer ewigen Suche nach Möglichkeiten, Profite zu erzielen, erkannten die Chance, einen bedeutenden Sender in der Stadt zu haben, und förderten schon ab den frühen Sechzigerjahren den Medienstandort Köln – u.a. flossen nicht unerhebliche Landes- und Bundesubventionen in den Rundfunk-Fernseh-Sektor, und der WDR und die ihn beliefernden Produktionsfirmen hatten beinahe unbeschränkten Zugriff auf Grundstücke, die als Kriegsfolge unbebaut waren. So wurde Köln innerhalb von gut 10 Jahren zu einer der drei wichtigsten Medienstädte in Deutschland. Heute ist Köln in der Bundesrepublik der Medienstandort mit den in Summe höchsten Umsätzen – Hamburg und Berlin hat man schon vor vielen, vielen Jahren abgehängt, und München wurde inzwischen auch überholt. Und weil das Fernsehen in seiner Entwicklung immer kreativer wurde, bildete es das kölsche Gegengewicht gegen Kunst, Mode und Werbung in Düsseldorf.

Der Kampf um die Kunst
Nach dem Ende der Zensur durch die Nazis explodierte die moderne Kunst im neuen Deutschland. Die Künstler hatten enormen Nachholbedarf, und jeder Maler oder Bildhauer musste irgendwie den Teil der modernen Kunst, der an Deutschland vorbeigelaufen war, aufholen. Ein Zentrum dieser Bewegung war die Düsseldorfer Kunstakademie, die – im Gegensatz zu anderen deutschen Kunsthochschulen – schon 1948 vollkommen entnazifiziert war, ja, im Gegenteil ganz auf die damals jungen und wilden Künstler setzte. Und weil an der Kunstakademie in den frühen Jahren so viel neue Kunst produziert wurde, bildete sich in der Stadt eine breite und bunte Galerieszene. Als zum Beispiel der Schriftsteller Günter Grass von 1948 bis 1952 an der Akademie studiertem gehörte die Altstadt voll und ganz den Künstlern, den Galeristen und allen, für die moderne Kunst Ausdruck der demokratischen Zeiten war. Ende der Fünfzigerjahre gab es in der Stadt deutlich über 100 Galerien unterschiedlicher Ausrichtung und Größe. Legendäre Gestalten wie der Galerist Alfred Schmela kamen zu Weltruhm.

Und der Austausch zwischen der Kunstszene und der Werbe- und der Modebranche war fließend und fruchtbar. In Düsseldorf ging es ab. Und das sahen einige Kölner wieder mit einigem Neid. Und weil in Köln immer schon vor allem Geld und Profit regierten, erfanden zwei Kölner die Kunstmesse. Also eine Messe, auf der Kunst gehandelt, also zu Geld gemacht wird. Der Kölner Kunstmarkt von 1967 war die allererste Kunstmesse weltweit und begründete den Ruf Kölns als Stadt, in der man mit Kunst Kohle machen kann. Und weil man neidisch auf die tolle Szene in Düsseldorf war und auf der Messe eben deutlich mehr Kunst aus Düsseldorf als aus Köln gehandelt wurde, begann man ab Mitte der Siebzigerjahre systematisch Künstler abzuwerben, indem man ihnen günstige Ateliers und sonstige Unterstützung bot. Der immer noch erfolgreichste Künstler unserer Zeit, Gerhard Richter, wechselte 1983 nach Köln.

Von der Kunst zur Musik
Von außen betrachtet erscheint Köln die musikalischere Stadt zu sein, aber diesen Ruf verdankt der Ort vor allem dem Karneval (Fastelovend) und der für den Saalkarneval benötigten musikalischen Berieselung. Man kann auch sagen: Typisch für die kölsche Rock- und Popmusik sind BAP und Die Höhner. Und das ist, wenn man einmal aus internationaler Höhe drauf schaut, doch eher ein Armutszeugnis. Wobei: Experten gehen davon aus, dass der kölsche Karnevalsschlager eine der Wurzeln der deutschsprachigen Popmusik an sich ist. Tatsächlich war jemand wie Willi Ostermann, den wir heute vor allem als Karnevalssänger wahrnehmen, ein Volkssänger im besten Sinne, populär, gewitzt, ein Sprachrohr der einfachen Leute in Köln. Dergleichen gab es in Düsseldorf nie, weil es in unserer Stadt eine entsprechende Tradition der Volksmusik nie gab.

Wir reden natürlich nur von dem, was heute Popmusik heißt, also sogenannte U-Musik (Unterhaltungsmusik), denn auf dem Gebiet der E-Musik hatte Düsseldorf nach Clara und Robert Schumann nicht mehr viel zu bieten. Weil aber der WDR einst eine quotenunabhängige öffentlich-rechtliche Anstalt war, gehörte zu ihren Aufgaben auch die Förderung der modernen Musik, ganz besonders auch der elektronischen Musik. Ein Genie, das von diesem Förderungsbetrieb profitierte, war Karlheinz Stockhausen, der Mann, der zu den vier, fünf Komponisten zählte, die die Musik des zwanzigsten Jahrhunderts maßgeblich prägten. Der kam aus der Eifel nach Köln und trieb die Kölner Musikhochschule zu dem Ruhm, den sie heute noch genießt.

In Düsseldorf aber blühte sofort nach Kriegsende der Jazz. Alle Künstler liebten den Jazz, und Jazzmusik gehörte zu jedem Künstlerfest. Viele Künstler waren gleichzeitig Jazzmusiker – und umgekehrt. Überall konnte man Jazz hören, und die Musiker hatten zahlreiche Auftrittsmöglichkeiten. Richard Gleim erzählt in seiner Geschichte „Mein Jazz im Düsseldorf der 50er Jahre“ (hier auf TD) davon. Das änderte sich mit dem Rock’n’Roll und später dem Beat nur wenig – zwar war gerade der Beat eher die Musik der Schüler als die der Kunststudenten, aber das Klima in der Stadt war ideal für junge Leute, die Musik machen wollten. Während in Düsseldorf zum Beispiel zwischen 1962 und 1970 annähernd 100 Beat- und Rockbands entstanden, spielten und teils wieder verschwanden, gab es eine solche Szene in Köln nicht – Köln zwischen 1945 und 1970 war weder Jazz-, noch Beat- oder Rockstadt.

Denn immer ging neue Musik von der Kunstakademie aus. Die vermutlich wichtigste Band, die unsere schöne Stadt am Rhein je hervorgebracht hat, heißt Kraftwerk und ist dank Gründer Florian Schneider-Esleben aufs Engste mit der Akademie verbunden. Und an dieser Stelle wachsen Köln und Düsseldorf wieder einmal zusammen. Denn schon zwei Jahre vor Kraftwerk (und ein paar Monate vor der Gründung der Band „Organisation“, der Vorgängerin von Kraftwerk) entstand in Köln die Gruppe „Can“, die irgendwo zwischen Free Jazz, Elektronik und Pop eine Musik erzeugten, die man vorher noch nie gehört hat. Genau wie Kraftwerk in den frühen Jahren beziehen sich die Herren von Can explizit auf Karlheinz Stockhausen. So wurde etwa gleichzeitig in Köln und Düsseldorf eine Musik geboren, die bis heute massiv das prägt, was uns in der Pop-, Rock- und Dance-Musik entgegenschallt.

Der bessere Karneval … kommt natürlich aus Köln
Geben wir Düsseldorfer es endlich und für immer einfach einmal zu: Der bessere Karneval findet in Köln statt. Dagegen kann unser Winterbrauchtum nicht anstinken. Und das ist auch kein Wunder, denn im Vergleich zur Domstadt hat Düsseldorf eigentlich gar keine karnevalistische Tradition. Und das hat wieder einmal damit zu tun, das Köln eben dat hillije Kölle ist, die erzkatholischste aller erzkatholischen Städte weit und breit. In der lebenslustigen Residenzstadt Düsseldorf hat so etwas Genussfeindliches wie eine Fastenzeit nie wirklich eine Rolle gespielt – in Köln gehört sie seit dem Frühmittelalter zum Kalender. Und die letzten Tage vor dem Beginn dieser Fastenzeit – zusammengefasst zum Fastelovend – feierten schon die römischen Soldaten im Regimentspuff am Rhein mit allem Drum und Dran.

In Köln gibt es Karnevalsvereine, deren Existenz man gut und gerne zweihundertfünfzig Jahre zurückverfolgen kann. Bestimmte Bräuche, die im Fastelovend zelebriert werden, stammen aus dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert. Und die Art und Weise wie der Karneval in den Vierteln und am Rosenmontag in der Stadt gefeiert hat, blickt auch schon auf gut 120 Jahre zurück. Das gab es bis Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in Düsseldorf gar nicht oder nur so ähnlich in einigen Vierteln und Vorstädten. In der eigentlich Residenz- und späteren Garnisonsstadt fand Karneval schlicht nicht statt. Man kann auch sagen: Der hiesige Straßenkarneval ist ein Imitat des kölschen Gegenstücks. Dafür aber gibt es in Düsseldorf eine reiche, wenn auch nicht sehr alte Tradition des Saalkarnevals – der fand noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nicht an vielen Orten und zu vielen Terminen statt und war den Gutbürgerlichen und den Wohlhabenden vorbehalten.

In Düsseldorf lässt sich der Beginn dieser Form des Karnevals ziemlich genau auf die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert datieren. Damals begeisterten sich nämlich (Na, wer?) Genau…) die Künstler sehr für den venezianischen Karneval mit seinen Masken und Roben. Den kannte man in Düsseldorf natürlich schon vom Mummenschanz, der am Hofe besonders von unserer Anna Maria Luisa zu Zeiten Jan Wellems getrieben wurde. Während als die Bauern in Niederkassel, in Gerresheim und in Urdenbach auf kölsche Art draußen auf den Straßen feierten, vergnügten sich die Kreativen bei wilden Tanzgelagen in den Sälen. Noch in den Sechziger- und Siebzigerjahren war der legendären Eiskellerball, die dreitägige Karnevalsfete in der Kunstakademie, das Highlight des völlig atheistischen Karnevals, der mehr mit dem Karneval in Rio, in der Karibik und auf den Kanaren zu tun hat als mit irgendeinem christkatholischen Ritual.

Kölsch oder Alt? Hauptsache obergärig und aus einer Hausbrauerei
Wir haben uns sehr, sehr intensiv bemüht, den Ursprung der Bierrivalität zwischen Düsseldorf und Köln, zwischen Alt und Kölsch zu datieren, aber es ist uns nicht gelungen. Tatsächlich sind obergärige Biere Kinder der Industrialisierung, weil nur eine strikte Beherrschung der Prozesse eine gleichmäßige Qualität ermöglicht. Mit untergäriger Hefe gebraute Biere sind in Relation unempfindlicher. Wir wissen, zog die Industrialisierung etwa gleichzeitig und mit ähnlichem Tempo und Köln und Düsseldorf ein, sodass es nicht weiter verwundert, dass die Gründungsjahre der alteingesessenen Brauhäuser hier wie dort dicht beieinander liegen – also so um 1850 herum. Überhaupt wurde Bier im Rheinland erst in dieser Zeit wirklich populär. Bis dahin wurde in den Gasthäusern vorwiegend Wein genossen. Die Wirtschaften in der Düsseldorfer Altstadt waren noch bis zum ersten Weltkrieg eher Weinhäuser als Bierkneipen.

Weil aber die Arbeiter bei ihren Sechzehn-Stunden-Schichten in den heißen Fabriken viel Durst hatten und auch aus gesundheitlichen Gründen elektrolytische Getränken brauchten, wurde Bier immer populärer, die Nachfrage stieg enorm. Vor allem nach dem gerade erst erfundenen Flaschenbier. Ja, Bier uss dä Flesch ist kaum 150 Jahre alt! Eine praktische Erfindung, für die obergäriges Bier, das weniger Kohlensäure enthält und auch höhere Lagertemperaturen gut verkraftet, geradezu prädestiniert ist. So gab es Köln und Alt um 1870 herum mehrheitlich als Flaschenbier, während das leckere Dröppchen nur im Brauausschank vom Fass gezapft wurde. Je populärer Bier aber in den beiden Industriestädten wurde, desto beliebter wurden auch Bierkneipen, also Wirtschaften, in denen man Bier vom Fass bekam. Weil dieser Absatzmarkt ab etwa 1910 immer wichtiger wurde, bauten die Brauereien selbst immer mehr Wirtschaften und verpachteten sie an Wirte – ein System, dass im Bierland Bayern bis heute so gut wie unbekannt ist.

Dass Kölsch urinartig gefärbt und eher dünn ist, während Altbier eine appetitliche dunkelbraune Farbe hat und viel Aroma, ist purer Zufall. In beiden Fällen sind dafür Braumeister verantwortlich, deren Namen nicht überliefert sind, die aber sowohl in Köln, als auch in Düsseldorf aus Bayern stammten. In der Hirschbrauerei zu Düsseldorf, die das längst vergessene Düssel Alt herstellte, arbeiteten in den Sechzigerjahren ausschließlich Brauer, die aus Bayern stammten und dort ausgebildet worden waren – vor allem aus der Donauregion, wo obergäriges Bier auch eine gewisse Tradition hat. Merkwürdig ist, dass die rein wirtschaftliche Entwicklung rund um Kölsch und Alt ständig parallel verlief. In beiden Städten waren es Familienbetriebe, die ihr Bier in Braustätten im Stadtgebiet herstellten; in Köln redet man allgemein von sieben Brauerdynastien, in Düsseldorf sind es derer vier oder fünf, je nachdem, welche noch existierenden Marken man dazu zählt. Sowohl Kölsch, als auch Alt war bis Ende der Sechzigerjahre außerhalb der jeweiligen Region praktisch unbekannt. Der Senior der Hirschbrauerei, der Patriarch der Familie Paefgen, und sein visionärer Sohn hatten schon ab 1960 begonnen, auch Kneipen weit ab vom Rhein mit Düssel Alt zu beliefern und sogar einige Dutzend Gastwirtschaften in Westfalen, in Niedersachen und anderen Gebieten zu kaufen, um sie zu verpachten. Gleichzeitig hatte man die „Braugemeinschaft Bier“ (BGB) als Einkaufsgenossenschaft gegründet, über die mehrere Düsseldorfer Brauereien ihre Grundstoffe bezogen. Und schließlich hatte man mit einigem Marketingaufwand versucht, den Begriff „Düssel“ als Synonym für Altbier durchzusetzen, um der eigenen Marke einen Vorsprung zu verschaffen.

In Köln sind die Ursprünge der großen Bierfamilien sogar noch weiter in die Vergangenheit zu verfolgen, weil dort immer nur brauen durfte, wer ein entsprechendes Recht verliehen bekommen hatte. Natürlich waren es die Clans mit den alten Privilegien, die auch beim Kölsch die Nase vorn hatten – das übrigens auch erst seit etwa 1918 so heißt, weil die Brauerei ihre helle Brühe mit diesem Begriff bewarb. Nach dem Krieg hatte es das Brauwesen in Köln viel schwerer wieder auf die Beine zu kommen als in Düsseldorf. Denn während in Köln nur noch zwei Brauerei funktionsfähig geblieben waren, konnten die kleinen Hausbrauereien, aber auch Industriebrauereien wie die Hirsch- und die Dietrichbrauerei sowie Schlösser gleich wieder anfangen.

Dass man in Düsseldorf Kölschbier in Kneipen ordern und in Getränkemärkten und am Büdchen kaufen kann, ist schon seit einigen Jahrzehnten normal. Die Kölner auf ihre mittlerweile bekannte Art aber verhindern den Genuss von Altbier in ihrer Stadt immer noch nach Kräften. Ja, in unserer schönen Stadt gibt es sogar zwei ausgewiesene Kölsch-Kneipen, im Domdorf aber keine Altbier-Wirtschaft. Was wieder einmal beweist, dass Düsseldorf deutlich toleranter und weltoffener ist als datt hillije, jut-katholische Kölle…

Die größte Rivalitäten zwischen Köln und Düsseldorf sind kaum sechzig Jahre alt und stammen aus dem Spocht, genauer: aus dem Eishockey und dem Fußball. Diesem Thema haben wir die fünfte und letzte Folge unserer kleinen Serie gewidmet, die in Kürze erscheint.

Und hier geht es zu den anderen Folgen unserer kleinen Serie:

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4 Kommentare

  1. Mal wieder sehr interessant geschrieben. Was mich jetzt gerade nur stört, ist das auf der Altbiersafari erzählt wurde in Koln trank man bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts auch Alt, bis man dann Kölsch entwickelte, da dies billiger in der Herstellung ist. Meine Frage ist jetzt, welche Geschicthe ist richtig. Vielleicht weißt du da ja noch was zu. 🙂

    • Rainer Bartel am

      Das ist definitiv nicht korrekt. In Gegenden, wo unter- und obergäriges Bier gebraut wurde – also vor allem in Niedersachen und Westfalen, galt obergäriges als Bier, das nach alter Tradition hergestellt wurde, also „altes Bier“. In Köln brauchte man eben auch schon immer obergäriges Bier, ab dem 19. Jahrhundert auf spezielle Art, bei dem eben diese urinfarbige Flüssigkeit entstand. 1918 nannte die Brauerei Sünner dieses Zeug „Kölsch“, vorher wurde das helle, obergärige Bier aus der Domstadt meist „Klar“ genannt, wenn überhaupt jemand nach etwas anderem als einfach nur Bier verlangte. Vorläufer vom Kölsch war das Wieß, was im Prinzip dasselbe ist, aber unfiltriert und deshalb trüb.

  2. Hat die Familie Päffgen der Hirschbrauerei was mit dem Päffgen aus der südlich gelegenen Stadt zu tun? verfeindete brüder wie die Dasslers vielleicht? 🙂

    • Rainer Bartel am

      Nein. Mein Fehler: Ich schreibe den Namen der Düsseldorf Dynastie immer falsch – richtig heißen sie Paefgen. Ich werde das hier und anderen Beiträgen rund um die Hirschbrauerei mal systematisch korrigieren.

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