Wie schon im ersten Teil unserer historischen Betrachtung der angeblichen Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf angesprochen: Der Kölner an sich ist neidisch auf Düsseldorf. Und hat seit der Zeit von Jan Wellem und seiner zweiten Gattin, der Anna Maria Luisa de’ Medici, allen Grund dazu. Denn eigentlich war und ist Düsseldorf seit dem Wirken der feinen florentinischen Dame eine wunderschöne Stadt, während Köln immer schon hässlich war und immer hässliche bleiben wird. Das liegt auch daran, dass der ehemalige Garnisonspuff der römischen Besatzer nie etwas anderes war als ein Ort, dem stinkreiche Pfeffersäcke geklüngelt haben, was das Zeug hält, und sich das gemeine Volk in Selbstmitleid gewälzt hat. Der Reichtum stammt vor allem aus dem Handel, und in diesem Bereich waren die Kölner grundsätzlich skrupellos. So blieb die Stadt komischerweise vom Dreißigjährigen Krieg fast unberührt und wurde nie überfallen und geplündert. Kein Wunder, denn der Klüngel zahlte den marodierenden Truppen hohe Schutzgelder … die man dadurch einnahm, dass man dieselben Truppen mit Waffen und Proviant versorgte. So isser, der Kölner…

Auch Düsseldorf kam in den Wirren der Jahre zwischen 1618 und 1648 vergleichsweise ungeschoren davon, was einerseits am diplomatischen Geschick des Erbprinzen Wolfgang Wilhelm lag, der sich durch Konversion zum katholischen Glauben den Schutz durch die katholische Liga sicherte, und weil es in Düsseldorf für brandschatzende Milizen wenig zu holen gab – denn außer dem Schloss bestand die Residenzstadt immer noch vorwiegend aus den kleinen Häusern der Fischer und Handwerker. Zudem war der Ort relativ gut befestigt. Düsseldorf blieb Hauptresidenz des pfälzischen Erbprinzen, weil die eigentlich kurpfälzische Residenzstadt Heidelberg im Erbfolgekrieg stark zerstört wurde. Aber schon 1718, nachdem Anna Maria Luisa nach dem Tod ihres Gatten nach Italien zurückgekehrt war, verlor Düsseldorf diesen Titel wieder, weil man Heidelberg einigermaßen hergerichtet hatte. Aber in den kaum zwanzig Jahren dieser Blüte rund um den Wechsel vom 17. zum 18. Jahrhundert kamen Kunst und Musik auf höchstem Niveau in die Stadt und mit der Gemäldegalerie Düsseldorf entstand eines der ersten Kunstmuseen Europas. Derartige zivilisatorische Leistungen hatten die Kölner damals schon gleich gar nicht vorzuweisen. Kunst jabbet nit, und bei der Musik ist anzunehmen, dass man in den düsteren Kaschemmen beim schlechten Wein Lieder grölte wie sie heute von solchen Gestalten wie den Höhnern verzapft werden.

Düsseldorfs Parks und Alleen – nichts dergleichen in Köln…
Tatsächlich aber kamen sich die beiden Städte weder im siebzehnten, noch im achtzehnten Jahrhundert auf irgendeinem Gebiet wirklich in die Quere. Dafür unterschieden sich die Orte immer noch zu sehr in der Größe und vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Den siebenjährigen Krieg überstanden wir ganz ordentlich, und der militärischen Eroberung durch die Franzosen kamen wir durch Kapitulation zuvor. Auch die französischen Revolutionstruppen ließ man 1795 freiwillig ins Städtchen, ohne sinnlos herumzukämpfen. Im Gegenteil: Das Volk sympathisierte mit den Besatzern, fraternisierte nach Kräften und adaptierte ein gerüttelt Maß französische Lebensart – was einige Jahre später den Preußen erheblich stinken würde. Aber hier ergeben sich erstmals Parallelen zwischen Köln und Düsseldorf, denn auch die Kölner kapitulierten vor den Franzosen, aber – wieder ein Verhalten der reichen Kaufleute – versuchten aber, neutral zu bleiben. Was dazu führte, dass das Volk den Ärger hatte und der Klüngel in Ruhe Geschäfte machen konnte.

Die freundliche Haltung der Düsseldorfer belohnte die napoleonische Verwaltung damit, die Stadt zu modernisieren und zu verschönern. Die Planung der verschiedenen Grünanlagen übertrug man dem genialen Gartenarchitekten Maximilian Friedrich Weyhe, der zwischen 1805 und 1835 nicht nur den Hofgarten anlegte und erweitere, sondern zwei wunderbare Alleen realisieren ließ: die spätere Königsallee und die heutige Heinrich-Heine-Allee. Den Grüngürtel, auf den die Kölner so mächtig stolz sind, bekamen die erst gut 100 Jahre später. Und vor dem Bau des Volksgartens um 1890 herum gab es in der Domstadt nicht einen Park und keine einzige echte Allee. Das südlich gelegene Städtchen mit seinen kaum 15.000 Bewohnern aber lebte bis zum Wiener Kongress (1814/15) relativ friedlich vor sich hin.

Und so bewahrheitete sich, was der Reiseschriftsteller Johann Georg Adam Forster, der mit James Cook die Welt umsegelt hatte, nach einem Besuch von Düsseldorf im Jahre 1790 schrieb:

Welch ein himmelweiter Unterschied zwischen Kölln und diesem netten, reinlichen, wohlhabenden Düsseldorf! Eine wohlgebaute Stadt, schöne massive Häuser, gerade und helle Straßen, thätige, wohlgekleidete Einwohner; wie erheitert das nicht dem Reisenden das Herz! Vor zwei Jahren ließ der Kuhrfürst einen Theil der Festungswerke demoliren, und erlaubte seinen Unterthanen auf dem Platze zu bauen. Jetzt steht schon eine ganze neue Stadt von mehreren langen, nach der Schnur gezogenen Straßen da; man wetteifert mit einander, wer sein Haus am schönsten, am bequemsten bauen soll; die angelegten Kapitalien belaufen sich auf sehr beträchtliche Summen, und in wenigen Jahren wird Düsseldorf noch einmal so groß als es war, und um vieles prächtiger seyn. [Georg Forster: „Ansichten vom Niederrhein.“ Bd. 1, Berlin 1793, S. 68]

Die Preußen kommen
Dann waren die Franzosen weg, und die Preußen kamen. Und das mit großem Misstrauen, weil sowohl die Kölner, als auch die Düsseldorfer Bürger von ihrer ganzen Lebens- und Denkart total unpreußisch waren. Alle die rheinischen Sprüche, die wir heute kennen, waren damals – trotz der kulturellen Unterschiede zwischen der Rheinmetropole und der Bergischen Hauptstadt – Ausdruck der französisch geprägten Philosophie, die ja den Geist der Aufklärung und der Revolution in sich trug: „Leeve un leeve losse“, das ist Kants kategorischer Imperativ, „Ett iss wie ett iss, et kütt wie ett kütt und ett hatt immer noch jut jejange“ kann auch als Laissez-faire übersetzt werden. In diesem französischen Geiste waren Köln und Düsseldorf plötzlich vereint. Wobei Düsseldorf durch das Wirken der Anna Maria Luisa auch noch eine ordentliche Portion italienischer Kultur mitbekommen hatte.

Während aber die Kölner dank der Macht und Politik der dort ansässigen Bankhäuser nach und nach die Gunst der Preußen gewannen, übte sich die Düsseldorfer Bevölkerung in mildem Ungehorsam. Zwar profitierte man sehr davon, dass eine große preußische Garnison entstand, durch deren Insassen sich die Bevölkerungszahl in kurzer Zeit auf fast 60.000 verdoppelte, aber die zugezogenen Soldaten und Offiziere fanden keinen Anschluss an die Eingeborenen und blieben unter sich. Gegen den Regulierungswahn aber regte sich ständiger Widerstand, der 1848 – die Phase der deutschen Revolution – im sogenannten Pferdeäpfel-Attentat gipfelte. Auf der damals Kastanienallee genannten Durchgangsstraße vom Bahnhof am späteren Graf-Adolf-Platz wurde der preußische König Friedrich Wilhelm VI. mit der Kacke der Kutschengäule beworfen, die ihn zum Schloss Jägerhof bringen sollte. Um sich den erheblich erzürnten König wieder gewogen zu machen, wurde diese Straße dann Königsallee genannt. So isser, der Düsseldorfer…

Trotzdem starteten etwa ab 1865 sowohl die Kölner, als auch die Düsseldorfer volle Kanne in die Gründerjahre und wurden beide bedeutende Industriestandorte. Diese Entwicklung zog sich bis zur Jahrhundertwende hin und führte dazu, dass die Bevölkerung beider Städte ganz erheblich anschwoll. Man bedenke: Köln lag damals noch komplett linksrheinisch und hatte keinerlei Eingemeindungen vorgenommen, das Stadtgebiet Düsseldorfs war nach den Eingemeindungen im 14. und 15. Jahrhundert (u.a. Bilk, Golzheim, Volmerswerth, Hamm) nur unwesentlich über die Reste der Befestigungsanlagen hinaus gewachsen. Die moderne Zeit mit Mietskasernen und Fabriken zog innerhalb von kaum 30 Jahren ein und veränderte die Städte massiv. Und zum allerersten Mal gehörten Köln und Düsseldorf zur selben politischen Einheit, der preußischen Rheinprovinz. Die bestand so lange wie auch der preußische Staat als Teil des Deutschen Reiches bestand, nämlich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

19. Jahrhundert: Noch keine Konkurrenzanfälle
Verwaltungshauptstadt der Rheinprovinz war Koblenz, eine repräsentative Hauptstadt gab es nicht, obwohl sich die Kölner Großbürger sehr gewünscht hatten, diese Funktion zu bekommen. Auch wenn sie sich wie die meisten Einwohner der Rheinprovinz als Zwangspreußen betrachteten. Viele Bürger fürchteten nach der Übernahme der Macht durch die Preußen den Verlust des „Rheinischen Rechts“, was sich zum Beispiel im Köln-Düsseldorfer Verbrüderungsfest von 1843 zeigte. Aber mit dem Scheitern der deutschen Revolution verliefen sich die politischen Gemeinsamkeiten wieder, und erneut hatte die beiden Metropolen wenig miteinander zu tun.

Zumal ja Köln auch ziemlich damit beschäftigt war, sich von den Preußen den Dom fertig bauen zu lassen. Ja, der Kölner Dom, dieses hässliche Kapellchen ohne Turmuhr, auf das sich heute noch der gemeine Kölner schwer was einbildet, obwohl das Bauwerk an sich von zweifelhaftem architektonischem Wert und – wenn man als Kölner einfach mal ehrlich wäre – eigentlich nur verdammt groß ist. Wenn seinerzeit die Blääck Fööß sangen „Mer losse dä Dom in Kölle“, dachte sich der Düsseldorfer: Klar, wer will den unförmigen Klotz auch haben? Dass nun aber ausgerechnet der preußische König, der zu allem Überfluss auch noch in die Entwürfe eingriff, für die Fertigstellung sorgte, die man in Köln über 500 Jahre lang nicht auf die Kette gekriegt hatte, muss man als erbärmliche Niederlage bezeichnen.

In Düsseldorf tobte sich dagegen ein Klassizismus-Fan namens Adolph von Vagedes aus, der über die Jahre ein paar Trittbrettfahrer hatte, die allerlei klassizistischen Kram zur Freude der Preußen errichteten. Auf Vagedes Konto‘ geht unter anderem das Ratinger Tor, das nach der Errichtung vom Düsseldorfer Bürgervolk bestaunt, aber auch belacht wurde. Ansonsten war den Preußen die Schönheit Düsseldorfs groß genug, und Vagedes wurde nie mehr als Baubeauftragter der Provinzregierung. Immerhin stammen die Pläne für die Stadterweiterung nach Osten und nach Süden von ihm sowie ein für damalige Verhältnisse sensationeller Verkehrsplan. Dieser Plan (die Kölner haben bekanntlich bis heute keine wirklich fundierte Verkehrsplanung) sah vor, die wichtigen Landstraßen an die bestehenden Achsen in der Stadt anzubinden, um so besonders den Lastenverkehr zu vereinfachen. Straßenzüge, die wir heute noch kennen, kamen so zustande: Grafenberger Alle von Osten kommend, Kölner Landstraße aus dem Süden, Niederrheinstraße von Norden her und so weiter. Leider entschloss sich Vagedes zu einer sternförmigen Anlage – Städte, die – wie Köln um die Jahrhundertwende – ringförmige Straßenzüge haben, hatten mit dem Anwachsen des Autoverkehrs diverse Vorteile.

Wachstum, Wachstum über alles
Die Jahre zwischen der Reichsgründung 1871 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs waren gerade in der Rheinprovinz Jahre enormen Wirtschaftswachstums. Alle großen Eisen- und Stahlwerke sowie Maschinenfabriken in Köln und Düsseldorf entstanden, die Eisenbahn und die Dampfschifffahrt auf dem Rhein sorgten für enorme Warenumsätze, und die Reichen wurden immer Reicher. Vor allem die kölschen Banker, die immer schon um ein Vielfaches mehr vom jeweiligen Wohlstand profitiert hatten als das Volk. Düsseldorf war aufgrund seiner Geschichte im Vergleich dazu deutlich demokratischer – die Clans, die nach dem Zweiten Weltkrieg hier die Führung, ähem, übernahmen, kamen damals als Unternehmerfamilien gerade erst auf. Durch massiven Einfluss und Zuwanderung von Italienern erlebte die Textilindustrie eine erste Blüte, von der Nähe zum Ruhrgebiet mit dem beginnenden Steinkohlebergbau profitierte die Schwerindustrie, und die Kleinindustrie im Bergischen Land – zum Beispiel die vielen Scheren- und Messerschmieden in Solingen und drumherum – sorgte für rasch wachsenden, überregionalen Handel.

Und so um 1905 herum sah es für einen Moment so aus, als könne Düsseldorf der Domstadt im Süden den Rang als bedeutendste Metropole entlang des Rheins ablaufen. Zumal die schönste Stadt am Rhein trotz aller Industrialisierung immer noch die Kulturhauptstadt der Region war, denn inzwischen hatte Wilhelm von Schadow die Kunstakademie begründet, die innerhalb weniger Jahre vor der Jahrhundertwende zu weltweitem Glanz aufstieg. Außerhalb des Kaiserreichs galt Düsseldorf als hochkultivierte Stadt mit großzügigen Parks, herrlichen Galerien und – nicht zu vergessen – dank des Wirkens von Robert Schumann als wichtige Musikstadt. Dem hatte das gutkatholische, beinahe feudal organisierte Köln mit seinem ewigen Drang zum Geldverdienen nur den Dom entgegenzusetzen – und den bewunderte außerhalb Köln seinerzeit niemand.

Im dritten Teil wird es dann um das 20. Jahrhundert gehen und um die wenigen Ereignisse nach 1945, die zur heute von vielen als „ewig“ angenommen Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf führten. Wie gesagt: Ausgangspunkt war und ist… der Neid.

Und hier geht es zu den anderen Folgen unserer kleinen Serie:

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