Es wird wirr. Es wird ein wenig wirr, weil vor allem negative Dinge aufgefallen sind, obwohl doch die wunderschöne DEG nun auch das sechste Spiel in Folge gewonnen hat, wenn auch vier davon erst in Verlängerung oder Penaltyschießen.

Negativ konnotiert ist schon der Gegner an sich. Nun gehört der Schreiberling noch nicht einmal zu denjenigen, die a priori Vorbehalte gegen alles haben, was aus Krefeld kommt. Aber die Erfahrung lehrt, dass der KEV eine etwas spezielle Gruppe von Zuschauern mitbringt, die man ansonsten beim Hockey einfach nicht sieht, nicht einmal im schönen Sauerland. „Stellt euch endlich,“ war gestern auf einer Tapete zu lesen, wobei das S und die beiden C farblich markiert waren und einer Düsseldorfer Fangruppe galten. Die Sache soll nicht größer gemacht werden als sie ist, aber die Zeiten, in denen es solche testosteronüberschüssigen Kindereien schlicht nicht gab, waren wohl nicht die schlechtesten. Und das gilt für die Trommelkinder beider Seiten.

Über 40 Minuten nicht gut

Gespielt wurde auch. Allerdings über 40 Minuten nicht besonders gut und auch nicht eben strukturiert. Der DEG fiel eigentlich gar nichts ein, dazu gesellten sich diverse Stockfehler, die auch, aber nicht nur dem holprigen Eis geschuldet waren. Die fast noch beste Szene der Rotgelben mündete ins Gegentor. Überzahl KEV, die DEG hat die Scheibe und Victor Svensson, der am Mittwoch noch den siegbringenden Penalty gegen den MERC verwandelt hatte, wartet an der blauen Linie. Er wird lang angespielt, bekommt den Puck aber nicht schnell genug unter Kontrolle, um vernünftig zu schießen. Und legt sich zu allem Überfluss bei der Aktion auf die Nase. Da Luke Adam mitgelaufen und damit auch aus dem Spiel genommen war, standen nach dem Scheibenverlust auf einmal zwei DEG-Verteidiger vier KEV-Stürmern gegenüber. Von denen nur zwei nötig waren – Grant Besse mit Übersicht auf den mitgelaufenen Kai Hospel und der ins lange Eck zum 0:1. Keine Chance für den mal wieder bärenstarken Mathias Niederberger im Düsseldorfer Gehäuse.

So stand es auch noch nach 40 Minuten, in denen nach vorne kaum etwas ging. Drei gute DEG-Chancen gab es bis dahin, die beste davon in Unterzahl, als Luke Adam zwar an Dimitri Pätzold vorbeikam, sein Schuss aber am Pfosten scheiterte. Überhaupt Luke Adam. Der potentielle Königstransfer spielte und spielt bislang eine komische Rolle – körperlich nicht wirklich präsent und mitunter mit Geschwindigkeitsdefiziten, die einer 3-vs-3-Verlängerung gewisse Sorgen bereiten. Aber zwischendurch macht der Mann eben auch wichtige Tore wie den gestrigen Ausgleich. Ein erarbeitetes Tor, kein erspieltes, aber das macht auch der Anzeigentafel absolut keinen Unterschied.

Komisch, das…

Überzahl, Puck zum Tor, Chad Nahring stochert nach, alles fliegt übereinander und Adam bringt die Scheibe irgendwie über die Linie. Wobei das Überzahlspiel trotz dieses Tores (und der über die Saison gesehen guten Quote!) auch ein wenig merkwürdig war. Als Blueliner ist in der Regel Nicholas Jensen auf dem Eis, der aber nicht schießt. Schießen soll vielmehr auf halblinks Reid Gardiner, der in zwei Spielen in Folge geradezu waffenscheinpflichtige Geschosse aus dieser Position abgegeben hat. Nun wissen das die Gegner natürlich auch und stellen darum seine Schussbahn zu. Jensen könnte also schießen, macht es aber nicht und Gardiner würde gerne, kann aber nicht. Komisch, das.

Wie auch immer. In der Restspielzeit ging die wunderschöne DEG endlich mit Vehemenz auf den zweiten und siegbringenden Treffer (Schussverhältnis: 11 zu 2!), der aber nicht fallen wollte. Also Verlängerung, das gehört bei DEG-Spielen ja fast schon zum guten Ton. Größere Aufregung gab es dabei nicht, von Adams bereits angesprochener, äh, dosierter Sprintstärke abgesehen. Also Penaltyschießen, wie schon zwei Tage zuvor. Flaake legte vor, Saponari zog für den KEV nach. Oder? Videobeweis. Beim Penaltyschießen. Hätte man vielleicht lieber mal beim Rundball in Berlin machen sollen. Obwohl: Hat man da ja, hat aber auch nicht gegen Blindheit geholfen. Ich schweife ab. Saponaris Penalty war jedenfalls drin, darum musste die letzte Runde entscheiden. Chad Nehring machte seinen rein, Krefelds Laurin Braun auch, aber nicht ins Tor, sondern nur in Niederbergers Handschuh.

Somit zwei weitere, hart erarbeitete Punkte für die wunderschöne DEG. Bei der noch nicht alles rund läuft, die aber verdammt schwer zu schlagen ist, wie nun schon sechs Teams in Folge erfahren mussten. Und ein bisschen Luft nach oben sollte man sich ja auch noch lassen.

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