Der Fall des Philip G. aus D. Oder: Man sieht sich immer mehrfach im Leben

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„Und dabei sind Teams wie die DEG darauf angewiesen, dass ihre Kanadier zuverlässig scoren, weil die deutschen Spieler, die das auch in dieser Güte drauf haben, nun mal in München, Berlin, Mannheim oder Köln unter Vertrag stehen. An die kommt man ohne dickes Scheckbuch nicht heran. Außer, sie werden bei ihrem aktuellen Verein nicht mehr gelitten, wie man es immer mal wieder von Philip Gogulla hört, dem in Düsseldorf geborenen Stürmer, der zumindest im Seniorenbereich nie für die DEG gespielt hat, sondern seit 14 Jahren bei den Haien unter Vertrag steht und da eigentlich zum Inventar gehört. Den auf die richtige Seite des Rheins und damit der Macht zu holen, wäre zumindest mal ein Statement. Und eine Story.“ So hieß es am Ende des letzten Artikels über die DEG. Nu isser da – regelmäßige TD-Leser wissen halt mehr.

Oder die DEG liest hier mit und lässt sich Tipps geben. Oder so ähnlich. Wie auch immer, nu isser jedenfalls da. Und polarisiert erwartungsgemäß. So ziemlich alles, was gegen den Mann vorgebracht wird, ist Unsinn.

#1 – Der kann sich nicht quälen.

Bullshit. Gogulla spielt seit 2004 in der DEL, nur unterbrochen von einem Jahr in den Staaten, in dem er, letztlich erfolglos, versucht hat, in der NHL Fuß zu fassen. 14 Jahre als Profi – über 700 Spiele, fast 500 Punkte, dazu 157 Länder- und 60 WM-Spiele. Das schafft keiner, der sich nicht quälen kann.

#2 – Aber, der ist Kölner.

Falsch. Der hat zwar all die Jahre für die Haie gespielt, war in dieser Zeit aber klug genug, in seinem Geburtsort Düsseldorf wohnen zu bleiben. Wäre ja auch reichlich bescheuert gewesen, das anders zu handhaben.

#3 – Die Haie werden sich schon etwas dabei gedacht haben, ihn vor die Tür zu setzen.

Falsch. Die Haie verpulvern seit Jahren Euronen in einer Größenordnung, dass einem schwindelig werden kann. Heraus kommt dabei herzlich wenig – ab und zu mal ein Viertelfinale, das war’s. Bei der Fülle an guten bis sehr guten (und teuren bis sehr teuren) Spielern, die sie unter Vertrag haben, ist das eigentlich nur mit atmosphärischen Störungen innerhalb des Clubs zu erklären. Letztes Jahr gab es das Theater um Patrick Hager, der sich zum Brauseteam gequengelt hat, dieses Jahr ist halt Philip Gogulla zur Projektionsfläche der Enttäuschung auserkoren worden. Den Trainer wechseln die ja sowieso jedes Jahr aus und irgendeinen anderen Funktionär auch. Nein, allzu konzeptionell gedacht wird bei denen nicht.

#4 – Der spielt nur für sich.

Zugegeben, wenn du gerade in Überzahl das 3:5 gefangen hast und nur noch sechs Minuten zu spielen sind, dann wäre mir ein Daniel Kreutzer auf dem Eis lieber als es Philip Gogulla ist. Aber Kreutzer ist ja auch Kreutzer, der läuft außer Konkurrenz und hat nicht 13 Jahre seiner Karriere beim falschen Verein verplempert. Außerdem, und das ist eigentlich noch wichtiger, steigen mit Gogulla die Chancen, dass du dir nicht so häufig das 3:5 fängst, weil du nämlich schon längst 4:1 führst.

#5 – Wir holen keine Kölner.

Kindergarten. Wer ist nicht alles schon zwischen DEG und KEC hin- und hergewechselt – Udo Kießling, Peppi Heiß, Thomas Brandl und und und. Früher, als (fast) alles besser war, hat die DEG die Epson-Millionen durch die Gegend geschmissen und den Haien Gerd Truntschka und Didi Hegen weggekauft – das war ein Politikum. Andere Zeiten, andere Sitten. Die DEG wäre mit dem Hammer geföhnt, einen Mann seiner Klasse nicht zu verpflichten, nur weil er beim falschen Verein war. Gimmick am Rande: Durch die Abfindung der Haie finanzieren sie Gogulla zu einem beträchtlichen Teil mit. So macht die Verpflichtung doch gleich doppelt Freude.

#6 – Der hat doofe Sprüche über die DEG gesagt.

Mimimi, rabääh. Das war sein Job. Solange man beim KEC spielt, erwarte ich solche Sprüche – umgekehrt läuft es ja genauso. It’s part of the game. Wie viel Respekt sich DEG und Gogulla, Sprüche hin oder her, entgegenbringen, war bei dem wunderbaren „Überfall“ der DEG-Fans zu beobachten:

Auch für so etwas liebt man Hockey!

#7 – Aber irgendwie isser trotzdem Kölner…

Nur bis zur 57. Minute des achten Spieltags. Da fängt er einen schlampigen Pass von MoMü ab und schiebt den Puck zwischen Wesslaus Schonern zum 4:3 hindurch. Siegtor Gogulla. Für die DEG. In Köln. Vor 18.000 Pappnasen. Das wird ein Spaß!

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